Es war ein Tag, wie jeder andere! Wie das Wetter war weiß ich nicht, da es sowieso immer dunkel war in dem Stall in dem wir lagen. Meine Geschwister und ich spielten immer miteinander, aber es war leider viel zu eng um zu rennen. Mama war schwach und dünn, sie war aber eine sehr liebe Mama. Sie nannte jeden von uns immer „Spatz“, sie erzählte uns viele Geschichten, Märchen mochten wir aber nicht. Sie sagte sogar das manche Hunde ein richtiges Zuhause haben. Wo liebe Menschen sind, die mit einem schmusen, einem genug zu fressen geben, spielen und VORALLEM lieb haben.... Aber sie sagte sie hätte das auch nur gehört, dann haben wir gelacht und gesagt, dass wir doch keine Märchen mögen. In dem dunklen Stall waren noch mehrere Mamas und ihre Kinder, wir hatten alle enge Verschläge, ich hätte zu gerne auch mit den anderen Hundekindern gespielt. Aber die Gitter waren so eng dass selbst meine Pfote drin hängen blieb. Auf einmal ging die quietschende Tür von dem Stall auf und 3 Männer kamen herein. Mama hat sich eng zusammen gerollt und hat gesagt wir sollen uns schnell hinter ihrem Rücken verstecken. Wir waren zu 6. Die Männer gingen an jedem Gitter vorbei und schauten sich die anderen Mamas und Kinder an. Ich schrie: „Mama, was machen diese Männer hier?? Warum reden sie so laut?? Und warum weinen die anderen Hunde so?? Meine Mama sagte nur mit leiser Stimme ich soll ganz leise sein sonst könnte schlimmes passieren. Auf einmal habe ich gesehen wie ein Mann ein Gitter von einem Verschlag aufmachte und 2 Kinder von ihrer Mama wegnahm. Jetzt war mir alles klar, sie wollten uns der Mama wegnehmen.. „nein, bitte nicht! Ich muss doch noch bei meiner Mama bleiben. Ich bin doch noch so klein.“ Mein Herz raste vor Angst. Wir lagen still und leise hinter Mamas warmen Rücken. Ich merkte wie sie zitterte. Jetzt ging unser Verschlag auf. Ich hab mich ganz klein gemacht. Sie rissen meine Mama weg und da lagen wir zu 6. Mama hat versucht uns irgendwie zu beschützen, aber sie war doch so schwach! Auf einmal nahm einer der Männer mich und meinen Bruder hoch und trugen uns aus dem Verschlag heraus. Ich versuchte ihnen vom Arm zu springen, es hat so weh getan wie sie mich angefasst haben. Meine Mama weinte, und rief uns leise zu: “Ich liebe euch...!" Ihr schafft das schon, gebt nicht auf, ihr seid doch meine Kinder!!!“ Dann hab ich gesehen wie sie den Kopf langsam zu Boden senkte. Die Männer gingen aus dem Stall, es war soooo hell, meine Augen taten mir weh, sie warfen uns in ein Auto mit all den anderen Kinder. Und fuhren los. Ich hatte solch eine Angst... Mein Bruder war schwach.. Ich presste mich fest an ihn. Und weinte die ganze Zeit. Die Männer sprachen so laut. Sie fuchtelten mit den Armen und ich hatte Angst dass sie uns weh tun. Ich will nicht bei Ihnen bleiben. Ich muss alles versuchen damit mein Bruder und ich von ihnen wegkommen.
Ca. 3 stunden später hielt das Auto an, die Männer machten die Tür auf und wollten uns alle heraus holen. Wir versuchten uns zu verstecken. Die Männer fingen an die anderen Hundekinder herauszuholen, er beugte sich über uns und griff unsanft nach uns und den anderen Kindern. Wir liefen alle in dem Wagen herum und weinten. Er drehte sich um, um die anderen Kinder aus dem Arm zu schmeißen. Das war unsere Chance, ich rief meinen Bruder, damit wir zusammen aus dem Auto springen konnten. Er kam und...“Schwupps“ wir waren draußen. Ich rannte vor, einer der Männer schrie wieder so laut, als er das gesehen hat, meine Angst machte mich immer schneller... als ich mich irgendwann umdrehte war mein Bruder nicht mehr hinter mir. Ich sah wie die Männer ihn auf dem Arm hatten und ich wollte zurück um ihn zu holen, aber er schrie: “ Lauf weiter.. lauf.“ Ein Mann lief auf einmal auf mich zu, ich hörte auf meinen Bruder und lief und lief, ich weinte und weinte aber ich lief immer weiter. Wenn ich nicht mehr laufen konnte versteckte ich mich irgendwo und sobald ich wieder etwas Kraft geschöpft hatte, lief ich immer weiter. Jetzt war auch noch mein Bruder weg und ich war ganz alleine. Ich kam in eine Gegend wo Häuser standen und ganz viel Wasser war, ich ging zu dem Wasser und habe mich schon gefreut dass ich jetzt endlich ganz viel trinken konnte aber...iiihhh... das war ja salzig. Schon wieder sah ich einen Mann und dieser rief schon von weitem „weg vom Strand.. hau ab.“. Was auch immer das heißt. Ich lief in diese Gegend wo Häuser am Wald stehen. Da waren Menschenkinder und spielten mit einem Ball. Das fand ich klasse! Ich ging vorsichtig dahin und die Menschenkinder riefen mich zu ihnen. Ich lief schwanzwedelnd dahin. Sie streichelten mich ganz sanft und spielten mit mir Ball. Von einer Sekunde auf die andere liefen sie in ein Haus hinein und waren weg! „Nein! Bitte nicht, lauft nicht weg!“ Ich setzte mich vor deren Tür und wartete. Als ich schon alle Hoffnung verloren hatte dass sie wieder kämen, ging die Tür auf und die Menschenkinder kamen mit 2 Töpfen heraus. In dem einen war Wasser, in dem anderen leckeres essen. Es war für mich!!! Seit Tagen, endlich etwas zu essen... Die Kinder sahen mir beim essen zu und als ich fertig war legte ich mich zu ihnen und sie streichelten mich. Ich vermisste meine Mama so schrecklich... Aber ich war soooo müde und schlief ein. Plötzlich ging die Tür zu diesem Haus auf und ein Mann schrie mit zorniger Stimme irgendetwas dass ich aber nicht verstehen konnte. Die Menschenkinder liefen schnell ins Haus und der Mann lief mit einem Besen auf mich zu und trat mir in meinen Bauch!!! „auauaua“ schrie ich... Aber das war ihm nicht genug. Er holte aus und schlug mir 2x mit dem Besen auf den Rücken. Es tat sooo weh.. Ich rannte wieder weit weg. Bis ich zusammenbrach. Ich konnte nicht mehr. Von diesem Tag an HASSTE ICH MÄNNER!!!! Die Nacht kam und mir war kalt, ich weinte und vermisste meine Mama und Geschwister. Was wohl mit meinem Bruder passiert ist? Ich ging los, es war zu kalt um zu liegen. Warum machen Menschen so was? Was habe ich ihnen getan? Ich weiß nicht was, aber es musste schlimm gewesen sein, sonst wären sie NIE so böse zu mir und den anderen Hundis gewesen. Ich irrte tagelang herum, Hunger und Durst plagten mich. Die Tage waren sehr warm und die Nächte zu kalt. Immer wieder sah ich Menschenkinder spielen, aber ich traute mich nicht mehr hin zu gehen. Es vergingen viele kalte Nächte. Ich habe seit Tagen nichts mehr gegessen und getrunken. Ich war schwach und  wollte am liebsten aufgeben. Aber meine Mama hat zu uns gesagt, dass wir es schaffen werden und nicht aufgeben sollen. Aber was bedeutet „...SCHAFFEN WERDEN?“ Ich versuchte mich nachts wach zu halten und tagsüber zu schlafen. Eines Morgens lag ich in einem Waldstück und ich sah Autos von weitem vorbei fahren. Plötzlich hielt ein Auto an und ein Mädchen stieg aus. Sie ging langsam auf mich zu. Mein Herz fing an ganz doll zu schlagen, ich hatte wieder mal Angst ich rannte nicht weg... Vielleicht schlägt sie mich ja nicht, sondern streichelt mich nur. Ich ließ sie auf mich zu kommen und machte mich bereit jederzeit abzuhauen. Sie redete ruhig und sagte mir wie hübsch ich sei und dass ich keine Angst haben muss. Sie setzte sich zu mir und streichelte mich. Das war schöööönnn!!!

Sie nahm mich langsam auf ihren Arm und ging zu dem Auto. Sie redete weiterhin mit mir. Und obwohl ich Angst hatte und ganz doll zitterte, fand ich das irgendwie lieb, sie war warm und ich kuschelte mich an ihre Brust. Wir stiegen in das Auto ein und... „oh nein“, da saß ein Mann. Mist, und es hätte doch so schön sein können. Ich hab gedacht jetzt redet auch er ganz laut und ist böse zu mir, aber er schaute mich nur an lächelte und sagte „na du“. Er schien nett zu sein, aber vorsichtshalber hab ich mich die ganze Zeit unter der Jacke des Mädchens versteckt. Nach ca. 10 min. stiegen wir aus dem Auto aus. Ein Haus... ein Garten... Es war irgendwie schön hier. Sie setzte mich auf dem Boden und schloss die Tür auf! Noch ein Mann, der aus der Tür rauskommt??? Nein, nur dieser eine, der auch schon im Auto war. Bei dem ich noch nicht ganz wusste was ich von ihm halten sollte! Aber er redete ganz leise, ruhig und machte langsame Bewegungen. Er redete zwar nicht mit MIR, aber das war erst mal in Ordnung. Dann konnte ich mir ihn erst mal genau anschauen. Das Mädchen gab mir etwas zu essen und zu trinken. Sie ging weg und dachte ich würde alleine essen und trinken. Aber ich lief ihr hinterher. Ich hatte solch eine Angst sie auch wieder verlieren zu müssen. Dann redete sie leise und setze sich mit mir zu meinem essen und dann hab ich alles verputzt. Sie war lieb zu mir. Sie legte sich auf eine Liege im Garten und ich ging ihr natürlich hinterher. Das sah so gemütlich aus. Sie sah mich an und nahm mich hoch zu ihr. Ich durfte zu ihr und es war toll. Wir schmusten und sie sagte zu mir: „Du bleibst bei uns... Für immer!“ Ich lag auf ihrem Bauch, sie war genauso warm wie meine Mama. Wir hatten viele tolle Tage dort. Ich habe sogar einen eigenen Namen „SALU.“ Weil die Stadt angeblich Salou heißt wo sie mich mitgenommen haben. Der Mann ist sogar richtig witzig... Er spielt immer mit mir Stöckchen und Ball und sagte immer „Sir Lüle“ ,wahlweise auch „Herr Lüle“  zu mir. Witzig ne? Er heisst Roni und wenn mein Mädchen sagt „ Der Roni kommt“ dann freu ich mich immer ganz doll. Er ist vor allem nett zu meinem Mädchen und das ist ja schon mal „die halbe Miete!" Eines Tages fuhren wir gaaaaannnnzzz lange Auto. Mit lange meine ich so richtig lange... War zwar nicht so toll aber so lang ich Roni und mein Mädchen dabei hatte war alles in Ordnung. Wir kamen in, ich glaube die Menschen nennen das Land: Deutschland, an. Das Wetter war nicht so toll. Wir stiegen aus dem Auto aus und da war soviel Wiese, ich konnte gar nicht so weit schauen. Roni und das Mädchen sagten wir müssen aber auch noch auf jemanden warten. Kurze Zeit später kam eine Frau mit einem richtig großen, tollen Hund. Er heißt Ilko. Er ist ein Rottweiler. Ich glaub ich ging ihm ein bisschen auf die Nerven weil ich ihm immer sagen wollte wie toll er ist. Mit ihm hatte ich keine Angst. Nun ist er mein bester Freund! Die Frau mit der, Ilko kam ist die Mama von meinem Mädchen. Die ist soooo lieb.. Und kann toll kuscheln. Wir fuhren alle zu einem noch größeren Haus mit einem noch größeren Garten. Super!! Viel Platz zum laufen. Plötzlich kam ein Mann und ein Menschenkind. Das Menschenkind war der Bruder von meinem Mädchen. Er kann toll spielen. Aber dieser Mann... Ich hatte ganz doll Angst, er erinnert mich irgendwie an den Mann, der uns von unserer Mama wegriss. Ich ließ mich nicht von ihm anfassen. Aber es war trotzdem toll, bei all diesen Menschen zu sein... Und vor allem bei Ilko. Er kommt sogar mit mir zum Tierarzt, weil ich dann nicht soviel Angst habe.  Nach ein paar Monaten war dieser Mann aber doch nicht so schlimm. Ich hab noch niemanden kennen gelernt der so unermüdlich mit mir Stöckchen spielt. Morgens früh komme ich immer zu ihm ans Bett und knabbere an seinen Zehen. Der soll schließlich aufstehen und mit mir spielen. Und ich finde dass 6 Uhr morgens eine durchaus „humane“ Zeit dafür ist. Oder? Und ich hab sogar neben ihm meinen Stammplatz auf der Couch. Ich renne für mein Leben gern. Ich fahre mit meinem Mädchen und dem Roni viel Fahrrad „er ist ja auch ein Collie-Galgo-Mix, die müssen viel laufen“ sagt mein Mädchen immer. Und ich mache bald Agility... Jetzt bin ich nämlich alt genug dafür. Ich springe, schwimme und RENNE (!!!) für mein Leben gerne. Aber ich muss NIE mehr UM mein Leben rennen. Das haben mir meine Menschen versprochen. Ich denke noch oft an meine Mama und an meine Geschwister und würde so gerne mit ihnen hier sein. Aber ich weiß jetzt dass auch Märchen war werden können.  Ich habe liebe Menschen die mich sehr sehr lieb haben gefunden.



„und Mama, vielleicht hörst du mich ja oder liest das, ich wollte Dir nämlich sagen dass ich dich sehr lieb habe und jetzt weiß ich was du mit „Schaffen“ gemeint hast, Ich hab es geschafft!! So wie du es gesagt hast!!“

In Liebe

Dein Salüle-Spatz

PS: Unten auf dem Foto seht ihr mich und meinen besten Freund... Ich will nie mehr ohne ihn sein.  Er mag mich jetzt auch richtig gern... ;-)























Kleine Anmerkung von dem „Mädchen“:
Salu ist der absolut tollste, witzigste, lebensfröhlichste Hund, den ich je kennengelernt habe. Gegenüber den meisten Männern und auch teilweise Frauen ist er immer noch sehr vorsichtig. Aber ich persönlich, habe mich nicht nur damit „abgefunden“ sondern finde es auch gut, dass mein Hund nicht auf jeden schwanzwedelnd zurennt. Muss ja auch nicht sein.  Ich kann es nur wirklich JEDEM raten sich einen Hund aus dem Tierschutz zuzulegen, wenn sich ALLE (!!!) für ein hundiges Familienmitglied entschieden haben. Soviel Freude, Liebe, Treue und vor allem Dankbarkeit wie diese Hunde einem geben ist wahnsinnig toll... Davon können sich manche Menschen eine große Scheibe von abschneiden. Es muss nicht immer ein Hund sein der hunderte, ja sogar tausende von Euro kostet, nur damit es ein Welpe ist. Ich kenne viele tolle Hunde aus dem Tierschutz die sogar Rettungshunde, Jagdhunde und andere Sportarten mit bravour meistern, ohne dass die Besitzer ihn als Welpe bekommen haben.  Lassen sich nicht davon beeindrucken, wenn Sie durch ein Tierheim gehen oder einen Tierschutzverein besuchen und der Hund Sie anbellt, sich in die letzte Ecke verkriecht und vor Angst zittert oder gar unter sich macht wenn Sie ihn streicheln. Diese Hunde haben meistens schon soviel mitgemacht und jeder hat seine eigene Art damit fertig zu werden. Ich weiß es ist immer einfach gesagt, aber versuchen sie sich nur für einen winzigen Moment in die Lage des Hundes zu versetzen. Ich bin sicher Sie können dann auch verstehen, dass nicht jeder Hund „himmelhochjauchzend“ auf Sie zu rennt. Geben Sie auch den schüchternen Hunden ein Chance und dann vor allem Zeit und Liebe. Ich bin mir sicher, er wird es Ihnen mit seiner Liebe und Treue für immer Danken!

Und noch etwas in eigener Sache:
Liebe Mamski,

ich danke Dir sehr dass Du die ganze Woche und oft auch am Wochenende Oma fürs Lüchen bist, während ich hier in Frankfurt sitze. Dass du dem Lüchen und dem Ilko ein ganz tolles „Hundezuhause“ trotz Streß, viel Arbeit und oft wenig Zeit für private Dinge gibst und den beiden soviel Liebe entgenbringst wie Sie sie brauchen. Auch meinem Papa sage ich „Danke“, weil er sich auch um das Lüchen toll kümmert, mit ihm spielt und mit ihm spazieren geht. Auch wenn Salu ihm, dass durch seine Angst vor Männern, nicht immer so zurückgibt... Und außerdem noch mal Danke an Mama, sie mich in all meinen Tierschützerischen Aktionen sehr unterstützt und schon den ein oder anderen Euro an Spenden für CiN eingebracht hat.

Noch einmal VIELEN DANK!!!
Netta
Ich schaff´ das schon?!